Also „eigentlich“…

…bin ich einer dieser Menschen, deren Tag keine 48 Stunden hat. Auch nicht gefühlt. Nicht mal ansatzweise. Eher fühle ich mich als rast der Tag an mir vorbei. Während ich mich noch nicht einmal im Kreis gedreht habe, ist er auch schon wieder rum und ich falle halbtot in mein Bett.

 

Ich frage mich oft, ob das nur bei mir so ist. Anscheinend ist das Leben anderer Menschen nach der Arbeit noch mit Freizeitaktivitäten, Freunden oder sonstigen Unternehmungen gefüllt.

 

Nach dem Büro geht’s ins Fitnessstudio und danach trifft man sich  noch mit Freundinnen zum abendlichen Kaffeeklatsch. Am nächsten Tag steht nach der Arbeit ein Nähkurs an, abends liest man noch ein Buch und gekocht wird natürlich auch immer gesund und frisch. Zwischen Job, Yoga, Freunden und kreativen Hobbys findet sich natürlich auch noch Zeit um zwei bis drei mal in der Woche einen Artikel für den eigenen Lifestyle-Fashion-Blog zu schreiben. Oder sogar für ein Kind.

 

Ähm…Ja.

Ich bin eher die Sorte: aufstehen, arbeiten, heimkommen, müde, Bett. Ich steh‘ morgens auf und fahr‘ an die Arbeit. Zwischen 15 und 16:30 Uhr mache ich Feierabend. Spätestens um 23 Uhr liege ich im Bett (länger könnte ich mich auch gar nicht wach halten). Heißt, sechseinhalb Stunden gilt es für mich zu „nutzen“.

 

Bis ich Zuhause bin brauche ich mindestens 40 Minuten. Und dabei geht es mir noch wirklich gut. Es gibt Kollegen, die täglich über eineinhalb Stunden brauchen um an die Arbeit und zurück zu kommen. Stau, Zug und Co. lassen grüßen. Wahnsinn.

 

Meistens kaufe ich nach der Arbeit unterwegs ein. Nein, ich gehe nicht shoppen, sondern kaufe Lebensmittel und Co. – schließlich soll es abends ja auch was zum Essen geben. Natürlich machen wir einmal wöchentlich einen größeren Einkauf, allerdings bin ich beim Essen etwas… Naja, sagen wir mal ‚anstrengend‘. Woher soll ich bitte am Samstag schon wissen, was ich Donnerstag Abend essen will? Klar können wir einen Wochen-Essensplan erstellen. Machen wir oft auch. Wenn es aber dann am Donnerstag planmäßig Kartoffeln, Spinat und Spiegeleier geben soll, ich aber viel mehr Lust auf Grießbrei mit Himbeersirup habe, haben wir ein Problem. (Ich weiß, ich bin anstrengend.) Also… halte ich nach der Arbeit oft nochmal fix zum Einkaufen an. Ich weiß, was ich will, also ist das meistens in einer viertel Stunde erledigt und es geht weiter Richtung Heimat.

 

Sagen wir, ich bin spätestens gegen 17:30 Uhr Zuhause. Noch fünfeinhalb Stunden bis die Lichter ausgehen im Hause Stressfrei.

 

Herr Stressfrei ist mittlerweile auch Zuhause. Kaffeeklatsch mit dem Ehemann. Schließlich möchte man ja wissen, was beim jeweils anderen so passiert ist im Laufe des Tages. „Alles wie immer. Und bei dir so?“ Nach dem Ehepartner-Update mache ich eine halbe Stunde Sport. Nicht.

wäschekorb

Wäsche abhängen, zusammenlegen, in die Schränke räumen. Ab in den Keller, nochmal Wäsche anstellen.

 

„Hast du schon Hunger?“
„Joa, ich könnt‘ schon was essen…“
„Gut, dann fang‘ ich schon mal an zu kochen.“

Ich liebe meinen Mann. Ich hasse kochen. Also bin ich ziemlich froh, dass er es gerne macht. Heißt natürlich, dass ich im Gegenzug ein paar Dinge mehr übernehme in der „kochfreien“ Zeit. So ist zum Beispiel unser Papierkram mein Job. Papier von A nach B ordnen mach‘ ich eh viel lieber als Kochen. Mag komisch klingen, ist aber so.

funktionierende-beziehung-kochen-hunger

 

Während er also kocht, schaue ich nach unserer Post, sortiere die Werbeblättchen aus und schreibe das ein oder andere schon mal auf unsere Wocheneinkaufsliste oder überweise eine Rechnung. Je nachdem – was eben so anfällt.

 

Auf dem Weg ins Bad begrüßen mich zwei Haar-Staub-Wölkchen im Flur. Wo kommt ihr denn schon wieder her? Ich hab doch vorgestern erst gesaugt. (Hust. Ich hab‘ mal gehört, dass einige das jeden Tag tun.) Egal. Also wird nachher noch fix gesaugt. Geht ja schnell…

staub-socke-unter-dem-bett

Im Bad angekommen begrüßen mich noch mehr Haare. Leider nicht als voluminöse Frisur im Spiegelbild, sondern an den Fließen, auf dem Boden, dem Waschbecken. Überall. Ich hab‘ heute Morgen ja geduscht und geföhnt. Merkt man. Dass ich überhaupt noch welche auf dem Kopf hab‘, ist echt ein Wunder.

 

Müll raus. Wäsche aufhängen. Kleinigkeiten hier, Kleinigkeiten da.

 

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein. EBEN NICHT…“, trällert es in meinem Kopf. Obwohl mein Mann tatsächlich einiges macht und mir das Kochen abnimmt, gibt’s immer was zu tun. Dabei bin ich wirklich kein totaler „Sauberkeits- und Ordnungsfreak“. Vielleicht nur ein klitzekleines Bisschen, ich hab mich schon gebessert. Staub ist mir meistens schon fast egal. Gut, oder?

 

„Eigentlich.“

„Eigentlich“ wäre ich auch mal wieder mit Flurdienst im Hausflur dran und „eigentlich“ müsste die Terrasse fit für den Frühling gemacht werden. „Eigentlich“ möchte mein Boden auch mal wieder einen feuchten Lappen sehen (das letzte Mal gab’s das wohl so vor 6-8 Tagen, glaube ich). „Eigentlich“ darf die Sonne auch nicht scheinen, weil sich sonst meine Fenster in gesprenkeltes Milchglas verwandeln. „Eigentlich“ müssten wir auch mal den Stromanbieter wechseln, da der Vertrag viel zu teuer ist. Vermutlich ist die Kündigungsfrist aber schon wieder rum, oder? Nunja. Dann eben nochmal 12 Monate teurer Strom. „Eigentlich“ müssten die Betten frisch überzogen werden. „Eigentlich“ muss der Kühlschrank mal nach „bitte jetzt nicht mehr essen“-Produkten durchgeguckt werden. „Eigentlich“ müsste ich auch dringend mal wieder meine Fingernägel hübsch machen oder zumindest kürzen und den ollen Lack komplett runter rubbeln. „Eigentlich“ möchte so manches Regal mal entstaubt werden. „Eigentlich“ wollte ich auch noch meine Fitness-Dvd anschmeißen und mich 20 Minuten bewegen (jeden Abend).

 

„Eigentlich.“

Genaugenommen bin ich aber ziemlich ko.

 

Das war ich nach der Arbeit schon.

 

Und so kommt es nicht selten vor, dass ich schon weit vor 23 Uhr im Bett verschwinde oder zur Primetime auf der Couch vor der Glotze liege und mich einfach nur noch berieseln lasse. Ja, manchmal brauche ich das einfach. Hirn aus und sturr in den Kasten gucken.

 

Oft klicke ich mich aber auch noch ziellos durch Facebook, Instagram und Co. bis ich den Weg ins Bett finde. Dort „motivieren“ mich natürlich die perfekten Bilder und Posts von den „perfekten“ Tagen meiner Socialmedia-Freunde oder den bekannten Bloggern. Sport, perfekt angerichtetes Müsli, perfekt aufgehübscht, super saubere Wohnung, gut gelaunt und voller Energie.

 

Und dann gibt’s da mich.

 

Oh Mann… Irgendwas mache ich doch echt falsch. Nur was? Ich faules, müdes, antreibsloses Etwas.

 

Morgen nach der Arbeit mache ich aber auf jeden Fall Sport. Wenigstens eine halbe Stunde. Vielleicht.

wäsche-haushalt

Geht’s tatsächlich nur mir so oder gibt’s da draußen noch mehr von der Sorte?

 

 

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Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

13 Gedanken zu „Also „eigentlich“…

  1. Hach, nein, es geht nicht nur dir so. Ich hab es sogar schlimmer erwischt.
    Mein Tagesablauf sieht so aus: Um 4 klingelt der Wecker. Dank deiner Morgenroutine bleib ich aber noch bis um 04:15 Uhr liegen, um wach zu werden (manchmal auch bis 04:30 Uhr, upsi). Dann aufstehen, Zitronenwasser trinken, waschen, anziehen, Schminke, Frühstück und Mittagessen einpacken, Obst essen, auf zum Bus. Der fährt um 05:38 Uhr in einem Ort 4 km entfernt weg. Also erstmal hin bringen lassen. Hab noch kein Auto.
    Dann Gurke ich bis um 07:08 durch die Gegend. Angekommen bei der Arbeit wird erstmal das Essen weggeräumt in den Kühlschrank, Tee gekocht, Frühstück am Schreibtisch hingerichtet und beim Arbeiten gefrühstückt.
    Arbeit bis um 12:15 Uhr, dann gibt es Mittag. Meist esse ich entweder in der Küche oder am Platz, je nachdem, was es gibt. Dabei lese ich. Und eigentlich will ich dann noch eine Viertelstunde spazieren gehen, kann mich aber nie aufraffen (goddamnit). Um 13 Uhr wird weiter gearbeitet bis um 15:30. Geschirr in die Spülmaschine packen, alles einpacken, auf zum Bus. Der kommt um 15:43 Uhr. Dann Gurke ich bis zur Zwischenhaltestelle rum, bin um 16:35 Uhr im nächsten Ort. Bis der nächste Bus kommt dauert es noch 40 Minuten. Also geh ich da meist schnell einkaufen, da ist nämlich gleich die Innenstadt. Um 17:45 Uhr bin ich dann an der Endhaltestelle. Dann muss ich noch warten, bis mich jemand abholt. Daheim bin ich also um 18 Uhr. (!!!) Hab dann also noch 3,5 Stunden für mich. Da muss rein Haushalt, Lernen (Prüfung kommt bald), Blog, YouTube, Entspannung, Abendessen, Duschen, mit Freund telefonieren/schreiben, mit Papa und Brudet reden, Serien schauen, Lesen,… Yeah… Wenn ich ein Auto habe, habe ich immerhin nur noch 60 Minuten pro Weg. Also 60 Minuten hin, 60 Minuten zurück. Und dann kann ich endlich die Gleitzeit nutzen. ^^

  2. Ach ja dieses schöne Wort eigentlich. ..kenne ich auch. habe 2 Kinder 6 und 6 Monate alt. Der Tag ist so schnell vorbei,so schnell kann man gar nicht gucken. Abends denkt man sich so eigentlich wollte ich das das und das machen oder ich hatte doch erst vor kurzem das wohnzimmer ordentlich gemacht. Bei mir ist es oft so das ich dann statt Wäsche waschen oder wischen einfach Lust hatte zu basteln, ich bastel für mein Leben gern.

    So nun muss ich aber wieder an die arbeit, Wäsche abnehmen,weg packen aufhängen und durch wischen heute muss ich, hab ich nun schon paar tage vor. FrühjahrsPutz steht auch bald vor der Tür. Schränke ausmisten…auswischen…wieder einräumen.

  3. Haha, das könnte auch mein Tag sein. Als Selbstständige vermischt sich das sogar noch schlimmer. Da gehen einem von morgens bis abends tausend Dinge durch den Kopf, und die Todo-liste wird länger anstatt kürzer. Dafür gibt es bei mir aber eine nicht verhandelbare Auszeit: nachmittags 2 Stunden mit dem Hund raus… Klar bin ich danach erst recht müde und klar ist es viel verschenkte Produktivität. Aber es tut irgendwie auch gut, sich auf den Hund zu konzentrieren oder in Ruhe nachzudenken, das rückt die Perspektive oft gerade. Manchmal spreche ich nebenbei sogar Blogideen ein.
    Lass dich nicht blenden von den anderen, sondern Gestalt deine Zeit so, wie sie dir gefällt. Verschwende nicht jeden Tag mit Putzen, so eine Wollmaus hält es auch mal ein paar Tage aus 😉

    1. Du hast sooooo recht. Es gibt so viel wichtigere Dinge.
      Meine Zeit so einteilen und so gestalten, wie ich es möchte… – daran arbeite ich noch.
      Leider bleibt nach der „Pflicht“ meistens zu wenig Zeit für die „Kür“.
      Sinn des Lebens kann ja nicht sein, dass man abends im Bett liegt und feststellt,
      dass man so gar nichts für sich selbst oder einfach etwas Schönes gemacht hat.
      Einen schönen Urlaub euch noch. Genießt die Zeit und tankt ordentlich Sonne! <3
      Wenigstens eine Kleinigkeit sollte da jeden Tag drin sein. Ich arbeite dran. 🙂

  4. Die gibt es definitiv! 😉
    Vielen Dank für deinen Beitrag. Es hilft doch schon etwas wenn man weiß, dass es anderen auch so geht. 🙂
    Ich habe auch noch keine Kinder und einen Vollzeitjob und durch unsere Katzen bin ich auch nicht super pingelig.
    Nur immer alles liegen lassen ist ja auch nicht die Lösung. Dann versinkt man irgendwann total im Chaos. :-/
    Liebe Grüße, Monika

    1. Das stimmt. Ich finde, dass sich einfach viel zu viele Menschen online zu „perfekt“ geben.
      Manchmal komm ich mir da mit meinem kleinen bisschen Chaos schon echt blöd vor und frag mich einfach, ob ich denn die Einzige bin.
      Umso schöner zu lesen, dass es eben nicht so ist.
      Und klar – alles liegen lassen geht auch nicht und mach ich ja auch nicht.
      Aber so komplett blitze blank ist’s eben fast nie.
      Sagen wir’s mal so: Ich mag es lieber, wenn sich Besuch wenigstens eine Stunde vorher ankündigt. *lach*

      Liebe Grüße

  5. Hallo Fräulein Stressfrei,
    das ist ja ein netter Beitrag, der gerade wie gerufen kommt. Ich hatte letzten Mittwoch meinen ersten Arbeitsteig Edit: Arbeitstag… man merkt halt doch, dass ich Foodblogger bin.
    Nunja ich muss mich jetzt erstmal dran gewöhnen, dass ich nun Vollzeit arbeite 😀 Ich dachte mir schon am Freitag, dass jetzt mein Leben zu Ende ist…
    Ich fange aber auch erst um 9 an und bin um ca. kurz vor 7 zu Hause. Bin aber ein kleiner Morgenmuffel, deshalb passt das ganz gut. Ich werde auf jedenfall jetzt mal des Öfteren bei dir vorbeischauen.

    Liebe Grüße,
    juli

    1. Vielen Dank für dein Kommentar, liebe Juli! Arbeitsteig 😀 Ich habe herzlich gelacht. Ich bin froh, dass du mich hier gefunden hast, denn so habe ich auch den Weg zu deinem Blog gefunden 🙂 Kalorienzählen sollte ich allerdings nicht. *lach* Liebe Grüße von mir

  6. Hallo Fräulein Stressfrei,

    wie erfrischend zu sehen das auch andere Probleme haben 😀
    Momentan geht’s mit dem Stress dank Semesterferien. Muss ja (nur noch, haha) zwei Hausarbeiten bis Ende nächster Woche fertig schreiben, die Wohnung putzen und nebenher ein wenig als Aushilfe arbeiten (16 Stunden die Woche). In dieser Zeit habe ich sogar geschafft mit Yoga anzufangen, jeden „morgen (gegen 10) zwanzig MInuten. So ganz anfängermäßig zuhause mit einer DVD. Aber ich fühle mich tatsächlich besser. Zwar hilft es nicht das ich früher aufstehe um mehr vom Tag zu haben aber ich habe das Gefühl das mein Körper auf jeden Fall „Danke“ jubelt.
    Mein Körper war es auch der mich meinen Stress erkennen ließ. Hautprobleme, vor allem Schuppenflechte bei der jeder Hautarzt entweder noch ein Shampoo und noch eine Creme verschreiben wollte oder sagte „Ja, dann haben sie wohl zu viel Stress.“ Ach ne.
    Im April geht die Uni wieder los. Ich werde versuchen organisierter zu sein (auch dank Bullet Journal) und meine Zeit zwischen den Kursen besser zu nutzen damit ich nicht noch Abends lernen muss, wahrscheinlich noch nach der Arbeit, die dann auch noch dazu kommt.
    Wenigstens scheint grad die Sonne und hebt die Stimmung (es sei denn man schaut zu meinen Fenstern, die eigentlich noch geputzt werden wollen), aber naja.

    Ich danke dir auf jeden Fall für den ehrlichen Beitrag und komme gerne wieder 🙂
    Lg,
    Alexandra

    (Instagram: Ardillaorava)

    1. Hallo Alexandra,

      vielen Dank für deine tollen, ehrlichen Worte. Ich hab‘ gut geschmunzelt und mich wiedererkannt in deinen Worten. Yoga steht noch auf meinem Plan – darüber werde ich hier dann auch berichten (wenn ich mich denn endlich mal drantraue).

      Das mit den Hautproblemen kenne ich. Mein Gesicht sah immer schön pubertär aus und meine Haare wurden immer dünner. (Vielen Dank, lieber Stress!)

      Ach… die Fenster können warten. Bei mir sehen sie auch noch ziemlich milchig aus 😀 Es ist wichtiger die ersten Sonnenstrahlen zu genießen!

      Ich freue mich, mal wieder von dir zu hören und schaue gleich mal bei Instagram vorbei 🙂
      [Edit: ooohhh… eine Bücherverrückte, wie sympathisch 🙂 ]

      Liebe Grüße,
      Anna

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