#MyStressStory – Andre

Lang ist es her, dass ihr von mir gehört habt. Aber noch länger ist es her, dass es hier eine StressStory zu lesen gab. Ich habe mich sehr gefreut, als mich die E-Mail von Andre erreicht hat und freue mich nun, dass ich euch seine StressStory vorstellen darf.

#MyStressStory – Andre

“Ich weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll. Wahrscheinlich erstmal mit einer kurzen Vorstellung: Ich bin Andre, 29 Jahre alt und bin mehr oder weniger zufällig auf #MyStressStory gestoßen. Da ich mir gedacht habe, dass ich eventuell den ein oder anderen hier mit meiner Geschichte motivieren kann, habe ich mich dazu entschieden, diese hier mehr oder weniger kompakt mit euch zu teilen.

Stress war für mich die längste Zeit meines Lebens ein absolutes Fremdwort. Doch was wäre das Leben schon ohne ein bisschen Leid? Wir schreiben das Jahr 2010. Ich hatte gerade ein Jahr Bundeswehr, gefolgt von einem halben Jahr Arbeitslosigkeit hinter mir.

Auch wenn ich diese Zeit nicht als sonderlich stressig wahrgenommen habe, sollte mich mein Unterbewusstsein kurzerhand eines Besseren belehren. So kam es im Sommer 2010 dazu, dass ich meine erste Panikattacke erlebte. Und auch der Gedanke, dass das die erste und einzige Panikattacke in meinem Leben sein wird, wurde schon nach kurzer Zeit erbarmungslos niedergeknüppelt. Die Angespanntheit blieb. Tag und Nacht.

Nachdem ich den Arztbesuch so lange wie es nur ging herausgezögert habe, brachte dieser auch keine guten Neuigkeiten. Nach einem kurzen Ärztemarathon sollte ich mich damit zufriedengeben, dass mein Leiden auf einer psychischen Ursache basiert.

Vom Stress zur Angststörung

Der Begriff “Angststörung” sagte mir zu dieser Zeit rein gar nichts. Wenn man googelte, traf man natürlich auf die besonderen Härtefälle der Erfahrungsberichte. Aussagen wie: “Das wird man nie wieder los” zogen mich immer tiefer ins Loch hinein.

Für die, die sich nicht vorstellen können, wie sowas aussieht: Meine Wohnung war mein “Safespace”. Sobald ich einen Fuß vor die Tür setzte, ging es los: Schwindel, starke Übelkeit, Gummibeine. Stresssymptome halt. Nur das diese Stresssymptome nicht mehr verschwanden. Und als wäre das noch nicht genug, breiteten sich diese Symptome schon bald auf meinen “Safespace” aus. Die Nächte würden kürzer, die Mahlzeiten kleiner und der Stress immer größer. Positive, symptomfreie Zeiten gab es zwar auch teilweise; jedoch basierten diese meistens auf Ablenkung.

MyStressStory-Andre - vom Stress zur Angststörung und zurück

Der Tiefpunkt

Es hat sich also ergeben, dass diese ganze Tortur insgesamt 6 Jahre angedauert hat. Eine Zeit, die mir das ein oder andere graue Haar beschert hat. Neben grauen Haaren gab es noch einige andere Begleiterscheinungen wie zum Beispiel: Schwere depressive Episoden bis hin zu Selbstmordgedanken, Gewichtsverlust und natürlich soziale Isolation. Den absoluten Tiefpunkt habe ich im 5. Jahr meiner Störung erlebt.

Eine 3 1/2 monatige Phase mit durchschnittlich ca. 3 Stunden Schlaf pro Tag, einem Gewichtsverlust von 15KG und der dauerhaft anhaltenden Angst, dass es jetzt soweit ist und ich verrückt werde. Ich habe mir zu diesem Zeitpunkt bereits mein Leben in der geschlossenen Psychiatrie ausgemalt.

Was will ich?

Nach diesen 3 1/2 Monaten war mein Körper so schwach, dass er die Ängste nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Vielleicht war das der Grund dafür, dass ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Dieser Gedanke war: Du hast die Wahl. Soll es jetzt ewig so weitergehen? Und da ich heut hier schreibe, kennt ihr die Antwort. Es konnte nicht so weitergehen. Ich quälte mich aus meiner Störung. Ich kämpfte gegen meine schlimmsten inneren Dämonen. Ich las Bücher zu allen möglichen Themen, die für mich relevant erschienen: Ernährung, Neurowissenschaft, Ängste, Gedanken. Ich las vermutlich mehr wissenschaftliche Studien aus dem Bereich Psychologie als ein Psychologiestudent. Irgendwann hielt ich ein Buch in den Händen, von dem ich noch nicht wusste, dass es alles verändern wird. Zugegebenermaßen klingt das schon ziemlich klischeemäßig.

Es war ein Buch zum Thema Achtsamkeit und Meditation. Um genau zu sein: “Jeden Augenblick genießen” von Thich Nhat Hanh. Ich habe das Buch zwar gelesen und die Übungen auch ein paar Tage ausprobiert, jedoch habe ich das Thema Meditation sehr schnell in die esoterische Schublade gesteckt und als Hokuspokus abgestempelt. Das war es dann mit meiner Meditationspraktik. Mein Zustand hat sich zwar stabilisiert, was dazu geführt hat, dass ich hin und wieder mal einen klaren Gedanken fassen konnte, jedoch hat sich an der Symptomatik nicht besonders viel geändert. Ich will es nicht Schicksal nennen, aber bereits wenige Monate später bin ich zufällig auf einen Bericht zum Thema Meditation gestoßen, der durch wissenschaftliche Quellen die Erfolge von Meditation im Bezug auf Ängste belegte. Long story short: Kurz danach fing ich wieder an zu meditieren; diesmal aber mit einer App. Nicht mehr und nicht weniger als eine Stimme, die einen an die Hand nimmt und erzählt, worauf man zu achten hat. Seitdem meditiere ich täglich. Mittlerweile seit ca. 2 Jahren.

Ich bin mittlerweile frei von der krankhaften Angst und kann mein Leben wieder wie jeder andere auch leben. Doch ich will nicht alles auf die Meditation schieben. Mein Charakter hat eine 180° Wende gemacht. Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt. Gesündere Ernährung, mehr Bewegung und vor allem ein positiveres Mindset. Lasst euch nicht erzählen, dass eine Angststörung eine Diagnose für’s Leben ist. Ich habe auf meinem Weg mittlerweile einige Menschen kennengelernt, die einen ähnlichen Weg gegangen sind und ihre krankhafte Angst hinter sich gelassen haben. Der Mensch ist wandelbar. Wir können so gut wie jedes Problem aus der Welt schaffen. Doch dafür muss man nicht nur einen eisernen Willen haben, sondern auch bereit sein zu leiden. Denn ich kann euch sagen: Es war kein leichter Weg. Besonders die Konfrontation mit der Angst war teilweise ein absoluter Horror.

Stress als Chance

Stress wird immer als etwas Negatives gesehen; doch sollte man genau in sich hineinhorchen und verstehen, was der Stress einem vermitteln will. Denn ist man über längere Zeit gestresst, läuft irgendetwas gewaltig falsch im Leben. Und darauf kann uns Stress aufmerksam machen. Dann hat man genau zwei Optionen: Man ändert die Situation oder man ändert sein Mindset. Meiner Meinung nach ein sehr gutes Schlusswort. Das soll es auch schon von mir gewesen sein.

LG Andre”

 

 

Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast, Andre!

Wenn ihr mehr erfahren wollt, dann schaut doch einfach mal auf seinem Blog vorbei.

 

Ich hoffe, euch allen geht es gut! Ich bin voll im “Mama-Leben” angekommen und mein 7-Wochen-altes Baby nimmt mich im Moment sehr in Beschlag, weswegen es etwas dauert bis ihr wieder von mir lest. Aaaaaaaaaber… Ideen sind genug da. Es geht weiter. Wir lesen uns.

Bis dahin… Lasst es euch gut gehen!

Euer

Fräulein Stressfrei

Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

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