#MyStressStory – Felicitas

Heute darf ich euch die Geschichte einer wirklich tollen Frau vorstellen. Felicitas hat den steinigen Weg aus einer tiefen Krise geschafft, ist nun voller Energie und möchte auch anderen helfen. Wahnsinn. Lest selbst.

Erzähl uns deine Geschichte, liebe Felicitas.

„Ich selbst habe die „akute Belastungsreaktion“, wie sie im Fachterminus heißt, zwei Mal erlebt. Beide Male waren es unterschiedliche Auslöser. Beim ersten Mal war es Stress, der sich über Jahre in mir aufgestaut hatte.

Wie fühlt sich ein Mensch in einer akuten Lebenskrise?

Bewusst war mir damals nur, dass ich mich schlecht fühlte. Unglücklich. Es wurden von außen Anforderungen an mich herangetragen, die ich nicht erfüllen konnte. Ich wusste nicht wie. Gleichzeitig kam ein enormer innerer Druck dazu. Schon damals hatte ich Gedanken, wie z.B.: „Deine Lebenszeit rennt Dir davon und Du fühlst Dich irgendwie im falschen Film“. Ich wusste nicht, wer ich war, ich wusste nicht, wie ich leben wollte und vor allem wusste ich nicht, was meine Berufung in diesem Leben ist! Ich hatte keine Energie, keine Lebensfreude und keinen Antrieb.Es brauchte nur noch einen weiteren zusätzlichen Belastungsfaktor und mein Limit war erreicht.
Damals war das die Trennung von meiner ersten großen Liebe. Ich brach zusammen. Ich wollte und konnte es nicht mehr ertragen. Ich erinnere mich noch, wie ich in Tränen aufgelöst in der Notaufnahme der Klinik saß und die diensthabende Ärztin anflehte: „Bitte nehmen Sie mich auf, ich kann nicht mehr!“ Sie tat es. Ich war etwa zwei Wochen völlig außer Gefecht gesetzt. An diese Zeit habe ich nur eine sehr schwache Erinnerung. Das Einzige, das ich noch weiß, ist, dass die Krankenschwester regelmäßig herein kam und sagte: „Guten Morgen, versuchen Sie mal, wach zu werden!“.

MyStressStory - Felicitas

Kann man die Seele betäuben?

Nach diesen ca. 2 Wochen, die ich im Bett liegend in einer Art Betäubungszustand verbrachte, hatte ich dann langsam das Bedürfnis, aufzustehen und auch essen und trinken wollte ich wieder.
Mein Zustand fing an, sich in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln. Nun schlief ich nicht mehr, sondern wanderte – getrieben von einer starken inneren Unruhe – die ganze Nacht im Gang auf und ab. Dies besserte sich nach etwa einer Woche. Ich war schon immer kritisch eingestellt gegenüber Medikamenten und ich muss sagen, ich bin bis heute meinen sehr verantwortungsbewussten Ärzten dankbar, die mir Medikamente verweigerten, als ich am absoluten Tiefpunkt war. Nach extremer Antriebslosigkeit und darauf folgender heftiger innerer Unruhe bettelte ich um Medikamente – obwohl ich normalerweise niemals freiwillig welche genommen hätte. Ich wollte nicht mehr Achterbahn fahren, ich wollte keinen Schmerz mehr spüren. Ich wollte eine „Lokalanästhesie für meine Seele“, ich wollte mich mal erholen können. Meine Ärztin sagte mir damals: „Sie fangen genau dort wieder an, wo Sie jetzt aufhören. Medikamente lösen Ihre Probleme nicht!“. Einerseits sah ich das ein, andererseits: Es macht sich wirklich niemand eine Vorstellung davon, wie es ist, so einen Zustand einfach aushalten zu müssen. Doch es war richtig so. Was mir letztendlich während dieser Zeit am meisten geholfen hat, war die liebevolle Gemeinschaft, in der ich mich befand. Die Ärzte hatten nicht viel Zeit für uns, also haben wir uns gegenseitig unterstützt.

Die Familie als sicherer Hafen

Ich blieb dann noch eine weitere Woche in der Klinik. Danach kümmerte sich meine Familie noch weitere vier Wochen um mich. Sie nahmen mich zu sich, gaben mir Halt, und die Impulse, die ich brauchte, um wieder auf die Füße zu kommen, sie taten für mich, was sie konnten. Dennoch waren sie sehr oft hilflos, hatten Angst, etwas falsch zu machen und wussten teilweise nicht recht, wie sie mit mir umgehen sollten Und sie waren extrem schockiert und verstört angesichts der Tatsache, dass das überhaupt passiert war. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es wichtig ist, in einer solchen Situation:

  • Schutz,
  • eine stabile Struktur und
  • Zuwendung durch andere Menschen zu haben sowie
  • in seiner Eigenverantwortung gestärkt zu werden.

 

Mein Zusammenbruch im Alter von 27 Jahren lehrte mich, es nie wieder zuzulassen, dass sich derart viel Stress in meinem Inneren aufstaut. Ein akutes Burn out-Syndrom musste ich glücklicherweise nie wieder erleben.

Ich habe gelernt, die Anzeichen zu erkennen und damit es nie wieder passiert, dass sich Stress so aufstauen kann habe ich ein persönliches Mentaltrainingsprogramm entwickelt, das mich schützt. Ich schreibe Tagebuch, ich führe eine „Positiv-Liste“, in der ich festhalte, was am vergangenen Tag Gutes passiert ist und wenn mich etwas belastet, analysiere ich es schriftlich, so kann sich Stress, Schmerz, Wut etc. gar nicht erst ansammeln. Zusätzlich praktiziere ich Entspannungstraining und wenn ich merke, ich werde innerlich unruhig, dann laufe ich sehr lange Strecken.

Meine Erfahrung, dass Menschen während akuter Lebenskrisen keinen adäquaten Platz haben, hat in mir den Wunsch geweckt, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Derzeit bin ich dabei, im Raum Stuttgart einen Verein zu gründen, der durch Wohltätigkeitsveranstaltungen nach amerikanischem Vorbild Spenden sammeln und davon ein Haus bauen soll, das als akuter Zufluchtsort für Menschen in Lebenskrisen gedacht ist. Näheres erfahrt ihr unter: www.zuflucht-verein.de und bei Facebook.“

 

Was sagt ihr? Wahnsinn, oder? Ich bewundere Felicitas wirklich für ihre Stärke und auch für ihr Engagement.

Falls ihr eure StressStory auch mit uns teilen möchtet, dann schreibt mir einfach eine E-Mail. Alle Infos hierzu findet ihr im Beitrag #MyStressStory.

Lasst es euch gut gehen.

Euer

fräulein-stressfrei

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Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

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