#MyStressStory – Jill

Als ich den Aufruf für #MyStressStory startete, hatte ich wirklich Bedenken, ob sich überhaupt jemand meldet und mir seine Geschichte erzählt. Doch tatsächlich dauerte es keinen Tag und die ersten E-Mails trudelten bei mir ein. Ich hatte ein Strahlen in den Augen und auch einen riesen Batzen Bewunderung im Herzen – für Euch. Weil ihr so wahnsinnig ehrlich und mutig über eure Gefühle, schweren Situationen und euren Kampf gegen das Stressmonster schreibt. Ein großes Danke hierfür.

Heute lest ihr die erste StressStory. Seid gespannt.

MyStressStory den Anfang macht Jill

Erzähl uns deine Geschichte, liebe Jill.

„Liebe Anna,

mein Name ist Jill, ich bin 19 Jahre, komme aus der Nähe von Kiel und schreibe auf meinem Blog über neue Produkte und Produkttests.

Ich bin ein Mensch der die Waage zwischen Stress und Entspannung braucht. Ohne Stress bekomme ich meinen Hintern nicht hoch und bei zu viel Stress schlagen meine Migräne und mein Magen dreifach zu. Ich hatte andauernd Sodbrennen. Das ging dann teilweise mehrere Tage so. Wenn mein Stress dann nicht nachließ, kamen noch weitere unangenehme Magenprobleme hinzu. Ich habe in den Zeiten sehr schnell abgenommen, was ich, als es mir wieder besser ging, mit eimerweise Süßigkeiten wieder drauf hatte.

Anstrengende Beziehung vs. Schulstress

Es begann zu dem Zeitpunkt als ich mit meinem Abi startete. Ich habe ein duales System gewählt, in welchem ich mein Abitur und eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin machen konnte. Es war mir bewusst, dass es mit viel Stress verbunden sein wird und ich dachte zu Beginn: „Ach, in den Ferien ins Praktikum in einen Kindergarten ist ja einfach gemacht.“ Nein ist es nicht. Dir fehlt dein Urlaub, deine Entspannung und du kommst aus deinem Alltag einfach nicht raus. Wir mussten wie sonst auch ganz normal zur Schule gehen und unser Abi machen. Einmal die Woche und in den Ferien mussten wir in Kindergärten, Grundschulen oder ähnliches um unserer Ausbildung nachzugehen. Wenn du dann noch eine Praktikumsstelle hast, wo du mit Bauchschmerzen hingehst, weil du da niemanden magst, hast du schon verloren. Und ich kam nicht immeran tolle Praktikumsstellen. Oftmals gabe es „Stutenbissigkeit“ seitens der Erzieher, so dass du lieber alles hinschmeißen wolltest.

Ansonsten lief es super, nur leider überwogen zeitweise meine Stressphasen und ich bekam immer schlimmere Migräne, welche 2016 dann ihren Gipfel fanden. Keine Schmerztablette hat zur Besserung verholfen. Das war zu dem Zeitpunkt, nachdem auch meine Langzeitbeziehung zu ende war. Die Beziehung war ebenfalls ein Stressfaktor für mich, da mein Partner mich nie unterstützte. Wir sahen uns nur am Wochenende, da er Fernfahrer war, und in der Woche telefonierten wir immer. Leider hielt mich das Telefonieren immer vom Lernen ab. Dazu kam, dass er (obwohl er gut verdiente) mir nie etwas zu Essen kaufte, wenn ich am Wochenende bei ihm war. Ich musste also auch noch mein Taschengeld für die Wochenenden mit ihm sparen. Wir stritten mindestens einmal die Woche, ich war aber gefühlsmäßig sehr abhängig von ihm, da er mein erster Freund war und wir bereits drei Jahre zusammen waren. Die Trennung war im Endeffekt aber sehr leicht, da es mir sehr schlecht in der Beziehung ging.

Ein Schicksalsschlag als Stressauslöser

Danach war ich um einiges entspannter und konnte mich wieder voll und ganz auf meine Schule konzentrieren. Ein halbes Jahr später starb dann mein Pferd Lazar. Ich hatte ihn drei Jahre zuvor aus schlechter Haltung gerettet und ihn ein ganzes Jahr lang nur aufgepäppelt. Er konnte sich am Ende wieder hinlegen, hinsetzen, lief mir nach wie ein Hund und war das Wundervollste in meinem Leben. Er gab mir den Halt, den ich brauchte. Irgendwann hatte er eine schlimme Kolik und stürzte auf seinen Hals. Er lief danach komisch und war kaum noch bewegbar. Nach circa zwei Monaten sind wir in eine Klinik gefahren und es wurde ein Tumor im Genick festgestellt. Alle Medikamente schlugen nicht an und so mussten wir ihn zwei Wochen später gehen lassen. Ihm zuliebe. Das ist nun bald ein Jahr her und bis heute muss ich weinen, wenn ich an ihn denke. Sein Name und Brandzeichen schmücken seitdem meinen Oberschenkel und Po.

Jill mit ihrem Pferd

Neben dem Abi arbeitete ich in der Gastronomie, um meine Eltern zu entlasten und auch um die Klinikrechnungen für mein Pferd zu bezahlen. Meistens war ich von halb 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends unterwegs mit maximal einer Stunde Pause dazwischen.

Etwas muss sich ändern…

Meine Ärztin hat mich freigestellt, als es mir wieder extrem schlecht ging und ich wusste: Ich muss etwas ändern!

Bald hatte ich einen neuen Partner, der mich mehr unterstützte und zeitlich weniger einnahm, da wir uns nur dann sahen, wenn wir beide Zeit hatten. Ich strukturierte meinen Tagesplan um und nahm weniger Schichten in meinem Nebenjob an.

Ich legte mir einen Lernplan an, plante pro Tag zwei Stunden Zeit für Schulzeug ein und hatte direkt weniger Druck vor den anstrengenden Klausurwochen.

Laufen Joggen als Stressbewältigung

Danach begann ich im Fitnessstudio zu trainieren und baute jeden Tag mindestens 30 Minuten ein, die ich zum Sport gegangen bin. Dabei habe ich sowohl Krafttraining gemacht, mal war ich laufen oder schwimmen und abends habe ich meistens Hula Hoop oder Yoga mit eingebaut. Dadurch konnte ich Frust abbauen und mich auspowern. Ich bekam ein besseres Körpergefühl und ernährte mich automatisch gesünder. Als Folge fühlte ich mich wohler und war ausgeglichener.

Mittlerweile habe ich das Schreiben auf meinem Blog angefangen und baue auch dadurch inneren Druck und Stress ab. Ich habe nun seltener Migräne als früher und bin auch deutlich entspannter. Was mich früher zum „explodieren“ gebracht hat, macht mir jetzt nichts mehr aus.“

 

Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast, liebe Jill. Ich freue mich, dass es dir besser geht und du auch auf einem guten Weg bist, deinen Verlust zu verkraften.

 

Falls ihr eure StressStory auch mit uns teilen möchtet, dann schreibt mir einfach eine E-Mail. Alle Infos hierzu findet ihr im Beitrag #MyStressStory.

Lasst es euch gut gehen.

Euer

fräulein-stressfrei

 

 

 

 

 

 

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Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

2 Gedanken zu „#MyStressStory – Jill

  1. Boah was für eine starke Frau Jill ist. Ich glaube das Pensum was sie da zeitweilig beschreibt hätte viele in die Knie gezwungen. Das erinnert mich eher an einen Managerposten als an das Arbeitslevel das eine Schülerin haben sollte. Und dann auch noch dieser Blödmann von Freund! Bei „Dazu kam, dass er (obwohl er gut verdiente) mir nie etwas zu Essen kaufte, wenn ich am Wochenende bei ihm war“ wäre ich hier grade fast in meinen PC gesprungen. So ein Assi.

    Wie gut das sie inzwischen aus der Beziehung raus ist und auch ihr Stresslevel reduzieren konnte!

    1. Oh ja… bei der Stelle mit dem Freund habe ich auch geschluckt, muss ich sagen. „Sowas“ braucht man bei all dem anderen Stress ja nun wirklich nicht auch noch…

      Ich freue mich übrigens auch auf Beiträge aus einem „stressigen Mama-Alltag“ 😉

      Liebe Grüße, Anna

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