#MyStressStory – Katharina

Lange ist es her, dass ihr die letzte StressStory hier lesen konntet. Heute darf ich euch Katharinas Geschichte lesen lassen…

#MyStressStory – Katharina

“Liebe Anna,

vor einigen Wochen bin ich eher zufällig auf deine Reihe #MyStressStory gestoßen und war sofort begeistert. So viele verschiedene Geschichten und Lebensentwürfe, die doch alle einen gemeinsamen Nenner haben: Zuviel Stress, der zumindest zeitweise das Leben bestimmte. Und nun reihe ich mich ein in diese Liste und freue mich, ein Teil des Ganzen zu sein. Mein Name ist Katharina und ich lebe in der Region Braunschweig. Nach einigen turbulenten Jahren, in denen ich mich weit von meinem inneren Gleichgewicht entfernt habe, fühle ich mich seit einigen Monaten endlich wieder ausgewogen und voller Tatendrang. Denn das war nicht immer so…

Die ersten Anfänge bereits in der Kindheit

Doch erstmal zurück auf Anfang. Schon immer war ich ein eher ruhiges und zurückhaltendes Kind – zumindest nach außen hin. Nie gab es irgendwelche nennenswerten Probleme. Ich wuppte Schule, Ausbildung, Studium und Hobbys mit links. Doch wenn ich heute auf meine Kindheit und Jugend zurückblicke, bin ich mir ganz sicher, dass mir schon früh das „mit dem Herzen dabei sein“ fehlte. Natürlich gab es Dinge und Hobbies, die ich gern betrieb und die mir viel Freude bereiteten.

Doch viel zu häufig gab es eben auch das Gegenteil. Den verhassten Querflötenunterricht, den ich nur meiner Mutter zu liebe weiterverfolgte. Das klassische BWL-Studium, das ich nur durchzog, weil mir damals mit Anfang zwanzig noch der Mut fehlte, wirklich zu meinen Wünschen und Träumen zu stehen. Ich versuchte schon früh, den Anforderungen um mich herum zu genügen, ohne auf meine innere Stimme zu hören. Rückblickend weiß ich heute, dass bereits hier der Grundstein für meine Stress-Historie gelegt wurde. Doch es vergingen weitere Jahre bis ich wirklich erkennen konnte, was mir fehlte.

Von der Neuorientierung bis zur Unzufriedenheit

Mit Mitte Dreißig und kurz nach der Geburt meiner Tochter stand ich vor einer privaten und beruflichen Neuorientierung. Vom Vater der Kleinen hatte ich mich getrennt. Die Beziehung festgefahren, unglücklich und nicht mehr zu retten. Die berufliche Neuorientierung verlief zunächst nicht so, wie ich sie mir erhofft hatte. Es verschlug mich wieder in die ungeliebte Immobilienbranche, die mir schon während meiner Ausbildung wenig bis gar keinen Spaß gemacht hat. Nun ja, aber wenigstens ging es weiter auch wenn Position und Inhalte des neuen Jobs mir nicht so ganz schmeckten.

So dachte ich zumindest. Auch wenn dieser Gedanke – wie mir heute natürlich klar ist – eher meinem Pflichtbewusstsein als meinem Herzen entsprang. Von Anfang an habe ich doppelt, dreifach oder sogar x-fach gearbeitet, wie mir später klar wurde. Aus Angst, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden, aus Angst den berühmten Spagat zwischen Kind und Job nicht zu schaffen. Dinge wie Selbstliebe oder Selbstvertrauen waren damals leider Fehlanzeige in meinem Leben. Stattdessen bestimmte weiterhin ein toxisches Gemisch aus Perfektionismus, Unzufriedenheit, Angst und Erwartungsdruck meinen Alltag. Vordergründig und nach außen hin ging diese Rechnung auf. Denn nach einem Jahr wurde ich befördert.

Wenn der innere Kompass nicht mehr richtig arbeitet

Doch als die Anfangseuphorie verflogen war, realisierte ich wie wenig Wertschätzung ich für meine Tätigkeit erhielt. Es war von Anfang an ein schneller Job gewesen. Ein Job, in dem schnelle und spontane Entscheidungen getroffen werden mussten. Doch nach und nach erkannte ich, dass diese Schnelllebigkeit und Spontanität nur auf einem reinen chaotischen Organisationsstil zurückzuführen war. Meine Unzufriedenheit wuchs in dieser Zeit. Sowohl körperlich, als auch mental. Ich fühlte mich unzufrieden und schleppte ein paar Kilos zu viel mit mir rum. An ein Privatleben außerhalb von Sandkasten und Kita-Umfeld war nicht zu denken. Es fehlte mir schlicht die Zeit und Energie dafür. Meine Ernährung und mein Schlaf gerieten ebenso völlig aus dem Lot.

Doch ich machte immer weiter. Es war nur eine Frage der Zeit bis diese Situation kippte. Denn meine schlechte Gesamtkonstitution hatte natürlich schon längst Auswirkungen auf meine Leistungsfähigkeit. Wieder ein paar Monate später folgte dann auch der Tag X (der Tag, an dem Nichts oder nicht mehr viel ging) und nach ihm eine längere Auszeit, die bitter nötig war. Nach und nach erkannte ich was zuvor schief lief. Es war nicht nur die berühmte Doppelbelastung aus Job und Kind, sondern vielmehr ein Mix aus zu hohem Anspruchsdenken, einer gefühlten Sinnlosigkeit meiner Tätigkeit und viel zu geringer Wertschätzung.

Katharina von Move Nature Shine - StressStory Titelbild

Meine Heilung und Selbsterkenntnis

Zu dieser Zeit habe ich auch meinen heutigen Partner kennengelernt. Die Schieflage meiner Situation hat er wohl relativ schnell erkannt. Als Coach und Kommunikationspsychologe verfügt er natürlich über den richtigen Riecher. Und so wurde er in diesen Monaten zu meinem besten Berater. In langen und intensiven Gesprächen erkannte ich, dass der Schlüssel ausschließlich in mir liegt. Auch wenn ich durch meine Erziehung meinen Perfektionismus quasi vorgelebt bekommen habe, war ich diejenige, die sich von eben diesem freimachen muss. Soweit es die Betreuung meiner Tochter zuließ, nahm ich mit in den folgenden Monaten immer wieder kleine Auszeiten. Ich besuchte Workshops und Coachings zur Orientierung und lernte andere wundervolle Frauen kennen, denen es ganz ähnlich erging.

Und das Wichtigste: ich begann endlich, auf die Signale meines Herzens und meines Körpers zu hören. War meine Ernährung und mein Gewicht zuvor ein ewiges Auf und Ab, so konzentrierte ich mich immer mehr, auf die Nahrung, die mir einfach nur guttat. Auch heute noch bin ich fest davon überzeugt, dass Depressionen und Erschöpfungszustände zumindest zu einem gewissen Teil über eine schlechte und mangelerzeugende Ernährung forciert werden können. Auch fing ich mit dem Laufen an. Zwar spielte Sport auch in meiner Kindheit eine große Rolle. Doch Laufen und Ausdauersport waren bis dato ein Buch mit sieben Siegeln für mich. Langsam fand ich aber Gefallen daran und machte sogar bei lauftherapeutischen Kursen mit. Nach einem Jahr folgte mein erster Halbmarathon. Weitere folgten und ich war glücklich und zufrieden.

Balance und Lebensfreude durch regelmäßige „Rauszeiten“

In meiner freien Zeit, reisten wir viel nach Südtirol, meiner zweiten Heimat, denn bereits als Kind war ich mit meinen Eltern mehrmals im Jahr dort. Egal ob im Sommer oder im Winter, beim Wandern, Laufen oder Skifahren, es war unglaublich befreiend für mich, draußen in den Bergen zu sein. Einfach nur aktiv zu sein und diese gewaltige Natur um mich herum erleben zu können. Als Kind der Berge war das wohl die eigentliche und beste Therapie für mich, die mich endlich wieder in Verbindung mit mir selbst brachte. Und diese „Rauszeiten“ sind auch heute noch – drei Jahre nach meiner Stress-Zeit – eine meiner wichtigsten Kraftquellen.

Wann immer es jetzt meine Zeit übrig lässt, breche ich aus und gehe in die Natur zum Laufen oder Wandern, nach wie vor dem besten Weg für mich zum Abschalten und Runterkommen. Mal mit meiner Tochter und meinem Partner, aber genauso auch alleine. Sport und Natur ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Nie hätte ich das vor zwei Jahren gedacht. So formte sich mit der Zeit der Wunsch, das Erlebte nach außen zu kommunizieren. Und vielleicht eines Tages anderen Menschen in derselben Situation zu helfen. Ich startete in 2018 meinen Blog MOVE NATURE SHINE, auf dem sich alles um die Themen Bewegung, Natur, Achtsamkeit und Wohlbefinden dreht. Gemeinsam mit meinem Partner möchte ich in 2019 auch Coachings anbieten, die natürlich draußen in der Natur stattfinden sollen.”

Vielen Dank für deine wirklich inspirierende Geschichte, liebe Katharina. Ich bin mir sicher, dass du dadurch ganz vielen Frauen Mut machst.

Habt einen entspannten Start in den Tag, bleibt stressfrei!

Euer

fräulein-stressfrei

Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

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