Weltschmerz und Zukunftsangst 2.0

Die Angst vor der platzenden Seifenblase.

„Finger weg von meiner Seifenblase!“ – Kennt ihr das? Wenn euer Leben gerade lange Zeit ziemlich gut oder zumindest ruhig verlaufen ist, aber es euch gar nicht bewusst war, bis etwas Schlimmes passiert? Nee? Dann seid froh, denn ihr habt eure Seifenblase noch.

Meine Seifenblase – meine kleine, heile Welt. Naja, „heil“ ist vielleicht der falsche Ausdruck. Zu oft schon musste ich Scherben aufsammeln, sie kleben, reparieren und flicken. Meine kleine Seifenblase hat schon so einige Unfälle hinter sich, schillert aber trotzdem noch in bunten Farben. Meistens zumindest.

Finger weg von meiner Seifenblase! Die Angst vor der platzenden Seifenblase, die Angst vor der Zukunft gepaart mit einer ordentlichen Portion Weltschmerz.

Jeder denkt zuerst an seine eigene Seifenblase.

Warum auch nicht? Es ist meine Seifenblase, mein Leben. Ich habe schließlich nur eins und muss darauf gut aufpassen. Ich bin bemüht, mein Leben so zu gestalten, dass ich am Ende sagen kann: „Ja, jetzt geh ich. Es war wirklich ganz nett hier. Hat Spaß gemacht. Danke. Vielleicht sieht man sich mal wieder, liebes Leben.“.

Man sollte zufrieden sein, doch jammert oftmals auf hohem Niveau. Wir haben eine Wohnung, einen Partner, tolle Freunde und Familie, einen Job. Wir sind gesund und das verdiente Geld reicht oft sogar für einmal Urlaub im Jahr. Trotzdem sind wir ganz oft unzufrieden; wollen mehr Geld verdienen, mehr Freizeit haben, mehr von der Welt sehen. Wir sind genervt von Staus auf der Autobahn, langsamen Omis an der Kasse, anstrengenden Kollegen und endlosen Warteschleifen mit unerträglicher Dudelmusik.

Ab und an passieren Dinge in unserem Leben und wir realisieren, wie gut es uns doch eigentlich geht und wie wertvoll das Leben ist. Leider hält dieses Bewusstsein oftmals nicht lange an und wir versinken viel zu schnell wieder in den weichen Zuckerwattewolken unserer Seifenblase. Betreffen uns diese Dinge nicht direkt, sondern „nur“ eine entfernte Bekannte, die Nachbarin oder einen Kollegen, kehren wir sogar noch schneller in unserem gewohnten, liebgewonnenen Alltagstrott zurück. „Puh, Glück gehabt. Es hätte auch mich treffen können.“

Ein paar Tage später sitzen wir wieder im Auto und schimpfen über den „Sonntagsfahrer“, der uns unsere wertvolle Zeit klaut. Der Puls beschleunigt, das Herz rast: „Du blöder *****! Meine Güte, fahr doch ein bisschen schneller! Soll ich dich um die Kurve heben, oder was?!“.

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