dankbarkeit

Ist Dankbarkeit etwa völlig aus der Mode gekommen?

Wer kennt’s nicht? Diese Tage, an denen einfach alles schief geht, man von allem und jedem genervt ist und sich nur noch fragt: „Warum? Und warum ausgerechnet ich?“.

 

Nachdem der Wecker den 30-minütigen-Snooze-Kampf gewonnen hat, bleibt man auf dem Weg ins Bad erstmal mit dem Fuß im Türrahmen hängen. „Schönen, guten Morgen auch! Ich freu’ mich auch, dass ich wach bin.“ Regen, draußen ist’s noch dunkel – ab an die Arbeit. Der Kollege im Nebenzimmer hat eine Laune, als wäre sein Haus heute Nacht abgebrannt und der Schreibtisch ist unter dem Berg von Arbeit kaum zu erkennen. Super! Pünktlich Feierabend ist dann heute auch nicht drin. In der Mittagspause kippt man sich einen kleinen Schluck vom Latte Macchiato über’s helle T-Shirt. Prima.

Endlich zu Hause angekommen, macht man die Tür auf, freut sich auf einen gemütlichen Feierabend und stolpert direkt über zwei Wäschekörbe. Der Inhalt wollte dann auch nochmal gebügelt bzw. sortiert werden. Heute Morgen standen die doch noch nicht, oder? Oh Mann… Im Wohnzimmer wartet schon dein Gegenstück mit ebenso mieser Laune. Wunderbar. Ein kleiner Zoff am Abend ist aller Wahrscheinlichkeit nach vorprogrammiert. Nachdem er dir dann die neuste Rechnung für die Reparatur des Autos gezeigt und dir von der eben gerade kaputt gegangenen Spülmaschine erzählt hat, ist dann auch wirklich Schluss mit Lustig! Was soll das denn? Warum gerade ich?

 

Kann es denn noch schlimmer kommen?

Ja, es kann.

Und wie es das kann! Was wir wirklich gut können ist Jammern auf hohem Niveau! Was wir anscheinend nicht mehr können: dankbar sein. Dankbar für das, was man hat. Ist es denn tatsächlich so, dass man heute immer nur an das denkt, was man braucht, was man nicht hat oder was man noch erreichen will? Im hektischen Alltagsgeschehen geht der Blick für das Wesentliche oft unter. Wir sind ständig im Stress, hetzen von Terminen zum Wochenende und zurück und wollen immer mehr haben und erreichen. Wir sind anscheinend chronisch unzufrieden. Zu dick, zu unsportlich, zu wenig Geld, zu wenig Zeit – von allem einfach zu wenig. Ist Dankbarkeit vor lauter Alltagsstress etwa völlig aus der Mode gekommen?

Vielleicht sollten wir einfach mal kurz anhalten und dankbar sein.

Es gibt so viele Dinge, für die ich dankbar bin. Eine kleine Auswahl möchte ich nun loswerden.

ich bin dankbar

Ich bin dankbar…

…dafür, dass ich sicher und frei leben kann. Ich habe das unsagbare Glück, keine Gewalt, keine Unterdrückung und keinen Krieg erfahren zu müssen. Ich kann mich frei bewegen, meine Meinung frei äußern und frei entscheiden, wie ich mein Leben gestalten will. Danke, liebe Demokratie.

 

…dafür, dass ich gesund bin. Jeden einzelnen Tag sollte man dafür dankbar sein.

 

…dafür, dass ich beschützt in einem kleinen, ruhigen Dorf aufwachsen und “Kind” sein durfte. Unbeschwert auf der Straße spielen, allein mit Freunden im angrenzenden Naturschutzgebiet Hüttchen gebaut und bei irgendeiner “Tante” oder einem “Onkel” geklingelt, wenn man mal auf’s Klo musste. Im ganzen Dorf “zuhause” gewesen.

 

…dafür, dass meine Eltern mich zu einem guten Menschen erzogen haben. Auch, wenn es manchmal nicht ganz einfach war für beide Seiten. Danke. Ich bin dankbar dafür, dass wir auch heute noch viele Dinge gemeinsam unternehmen und ihre Tür immer offen steht. Und ich bin einfach dankbar dafür, dass sie noch da sind. Es könnte auch anders sein (ich weiß das).

 

…dafür, dass ich eine relativ große – wenn auch oft chaotische – Familie habe. Ohne euch wär’s nur halb so schön! Familienfeste waren früher immer ein riesen Ereignis für mich. Alle kommen zusammen. Das Wohnzimmer wird umgeräumt, damit alle reinpassen. Geburtstage wurden richtig schön gefeiert. Das sind meine besten Kindheitserinnerungen.

 

…dafür, dass mich der tollste Mann der Welt geheiratet hat, obwohl ich manchmal die größte Katastrophe der Welt bin. Dafür, dass wir nicht die perfekte, filmreife Traumbeziehung führen, sondern beste Freunde sind und uns auch mal ordentlich streiten und danach wieder vertragen können. Ansonsten wär’s ja auch echt langweilig.

 

…dafür, dass ich tolle Freunde an meiner Seite habe, auf die ich mich immer verlassen kann. Sie wissen wie ich bin und mögen mich trotzdem, genauso so, wie ich bin. Sie schätzen meine Ehrlichkeit und ich ihre. Keine oberflächlichen Freundschaften um zusammen feiern zu gehen und jeder zieht seinen Nutzen daraus – nein, richtige, echte Freundschaften.

 

…dafür, dass mich einige Menschen hintergangen, belogen und enttäuscht haben. Dafür, dass sie gezeigt haben wie oberflächlich und unehrlich sie wirklich sind. Ich bin dankbar, dass sie lange schon kein Teil meines Lebens mehr sind.

 

…dafür, dass ich so viel lernen durfte. Eine gute Schulbildung, Studium. So viele Menschen auf der Welt würden alles dafür geben, dass sie etwas lernen dürfen.

 

…dafür, dass ich eine warme, gemütliche Wohnung und immer genug zu Essen im Kühlschrank habe. Ja, dafür bin ich sehr dankbar. Auch, wenn kein Luxusurlaub oder kein neues Auto drin ist – ich bin sehr zufrieden mit dem was ich habe.

 

Ich könnte jetzt zu vielen, kleineren Dingen kommen, für die ich dankbar bin. Aber das führt womöglich zu weit. Ich finde es wichtig, dass wir – gerade an solchen Tagen wie oben beschrieben – einfach kurz anhalten, die Augen schließen und uns auf das Wesentliche besinnen. Auf die Dinge, für die wir dankbar sind. Auf die wirklich wichtigen Dinge.

Und garantiert gibt es mindestens eine Sache – auch an diesem katastrophalen, stressigen Tag -, für die ihr wirklich dankbar seid. Überlegt. Schreibt sie vielleicht einfach auf. Legt euch ein kleines Notizbuch an, in welchem ihr jeden Abend kurz aufschreibt, für was ihr an diesem Tag dankbar wart. Ein Dankbarkeitstagebuch. Vielleicht kommt euch der Tag im Nachhinein gar nicht mehr so schlimm vor.

Eigentlich gar keine schlechte Idee. Was meint ihr?

Euer

fräulein-stressfrei

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Danke für's Teilen, ihr tollen Menschen!

5 Gedanken zu „Ist Dankbarkeit etwa völlig aus der Mode gekommen?

  1. Schöner Beitrag. Wir brauchen solche Texte 🙂 Und ausserdem mag ich Deine authentische “Scheibe” sehr… Von daher gratuliere ich Dir und mir zu diesem Blogstart… und bin sicher, dass Dein “Baby” schnell wächst und gedeiht 🙂 Ich jedenfalls schau gern wieder vorbei!

    Von Herzen
    Anja

  2. Gefällt mir!
    Als ich anfing, den Beitrag zu lesen, fragte ich mich, ob du die Anna bist, die bei der Blogparade mitmacht – Frage beantwortet! 😀

    Ich wünsche dir mindestens soviel Spaß und Freude an deinem Blog, wie ich ihn an meinen habe! 🙂

    Liebe Grüße
    Silja

  3. Ein tolles Thema und interessanter Umgang damit, mal was Anderes, gefällt mir 🙂 Dankbarkeit ist wirklich so so wichtig, vor allem an diesen Tagen, an denen scheinbar alles schief läuft. Interessant finde ich, dass es diese Tage gar nicht mehr gibt, seit dem ich mich ganz bewusst in Dankbarkeit übe. Da hat so eine Art Perspektivenwechsel stattgefunden und plötzlich sehe ich viel mehr von den guten, funktionierenden Dingen und die anderen bekommen einfach kaum noch Aufmerksamkeit und Bedeutung. Echt spannend. Mir fiel es am Anfang schwer plötzlich ganz bewusst dankbar zu sein – die meisten Dinge waren irgendwie so selbstverständlich. Ich habe mir dann ein Dankbarkeitstagebuch zugelegt, das mich dabei super unterstützt hat. Zum einen erinnert es einen an die neu zu programmierende Routine, zum anderen macht es mir Spaß täglich Dinge in ein Buch zu schreiben 🙂 Es gibt mittlerweile echt einige solcher Bücher und daher fiel mir die Wahl auch nicht ganz leicht. Kürzlich habe ich lustigerweise eine Vergleichsseite für Dankbarkeitstagebücher gefunden, ich hoffe es ist ok, wenn ich sie hier erwähne – vielleicht hilft sie ja dem einen oder anderen hier, das richtige Exemplar zu finden 🙂
    dankbarkeitstagebuch.de

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