Stress

Was Stress eigentlich ist und warum wir ihn zum Leben brauchen.

Stress ist eines der Worte, welches wir mittlerweile ständig und überall zu hören bekommen oder es auch selbst benutzen – bewusst oder unbewusst.

  • „Sorry, ich kann heute nicht, ich bin total im Stress“
  • „Wie war dein Tag?“ „Stressig.“
  • „Wie läuft’s an der Arbeit?“ „Ach, hör auf! Vor lauter Stress kam ich noch nicht mal dazu auf die Toilette zu gehen oder eine richtige Mittagspause zu machen.“
  • „Ich fühle mich so schlapp und gestresst. Ich brauche dringend Urlaub.“
  • „Ich hab schon wieder Stress mit meinem Mann / meiner Frau.“
  • „Die Kinder sind im Moment so stressig.“

 

Der Begriff „Stress“ steht im Englischen für die Worte „Druck, Anspannung“ und wird abgeleitet von dem lateinischen Verb „stringere“ (anspannen). Der berühmte Mediziner Hans Seyle führte den Begriff „Stress“ um 1936 ein. Er gilt als Urvater der Stressforschung und schrieb unzählige wissenschaftliche Arbeiten über dieses Thema.

Wir, d.h. die Otto Normalmenschen, verstehen den Begriff „Stress“ als Synonym für eine hohe körperliche und psychische Belastung bzw. Anspannung. Auch Hans Seyle stellte später fest, dass der englische Begriff „Strain“ (Belastung) passender gewesen wäre. Allerdings hatte sich das Wort „Stress“ bereits festgebrannt.

Eine Definition

Stress kann als ein Spannungszustand definiert werden, welcher durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Reizen (Stressoren) ausgelöst werden kann. Stress löst in einem Organismus eine Alarmbereitschaft aus, wenn er sich auf erhöhte Leistungsfähigkeit einstellen muss. Man unterscheidet zwischen positiven Stress (Eustress) und negativen Stress (Disstress). Für weitere, ausführlichere und evtl. wissenschaftliche Definitionsversuche schaut bitte bei Google. Dies ist keine medizinische oder wissenschaftliche Seite. Ich versuche das Thema so einfach wie möglich zu erklären und keine Doktorarbeit darüber zu verfassen.

 

Stress ist keine Modeerscheinung – es gibt ihn schon immer.

Stellt euch vor ihr seid ein Urzeitmensch – mit Keule und Lendenschurz.

Ja, genau – du bist nun wieder Jäger und Sammler. Deiner Familie geht es im Moment nicht wirklich gut, da es seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr geregnet hat. Deine Frau findet nicht genügend Beeren und du hast seit Tagen kein Tier erlegt. Es ist nahezu unmöglich eure Kinder weiter zu ernähren. Nun bist du seit den frühen Morgenstunden wieder unterwegs auf der Jagd. Du bist hungrig, hast Durst und dein einziges Ziel ist es, etwas Essbares mit nach Hause zu bringen… Deine Gedanken drehen sich nur darum. Und da siehst du es – ein kleines Kaninchen. Du zielst mit deinem Speer, bist hoch konzentriert und schon hast du es erlegt. Stolz machst du dich mit deiner Beute auf den Heimweg.

Plötzlich hörst du ein Geräusch. Du drehst dich um und vor dir steht ein Säbelzahntiger. Was tust du nun?

Eine klassische Stresssituation. Du musst nun schnell entscheiden. Eins gegen eins. Flucht oder Angriff? Bist du stark genug den Tiger zu erledigen oder bist du schnell genug um zu fliehen? Dein Körper braucht nun einen Schub Energie. Stresshormone und Neurotransmitter werden ausgeschüttet. So kommen zum Beispiel Adrenalin und Noradrenalin zum Einsatz. Alle überlebenswichtigen Funktionen laufen durch sie nun auf Hochtouren. Alle gerade nicht benötigten Körperfunktionen werden gehemmt – wie z.B. die Verdauungstätigkeit, Energiespeicherung, Speichelfluss, Libido. Essen, Verdauen und an die Produktion von Nachkommen denken kann man schließlich auch später und ist gerade nicht Priorität. Es geht hier schließlich um’s Überleben.

Die Energie geht dahin wo sie gebraucht wird.

Die Herzfrequenz erhöht sich, der Blutdruck steigt an, die Atmung wird schneller, die Extremitäten werden stärker durchblutet (ich muss schließlich schnell laufen oder fest zuschlagen können), Energie wird durch schnellen Fettabbau bereit gestellt, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erhöht sich (ich möchte ja nicht gleich verbluten, wenn der Säbelzahntiger mich doch erwischt), die Schmerztoleranz erhöht sich, die Muskeln spannen sich an und das Gehirn wird besser durchblutet (schließlich sind hier wichtige Entscheidungen zu treffen…).

Durch die von deinem Körper bereitgestellten Stresshormone kannst du nun blitzschnell die – hoffentlich – richtige Entscheidung treffen und dementsprechend agieren. Stress ist also wichtig zum Leben und Überleben.

Ihr seht, Stress ist eigentlich gar nicht so verkehrt. Warum haben wir aber dann ein Problem mit ihm?

 

Die zwei Seiten der „Stress-Medaille“

Wir verbinden den Begriff „Stress“ meistens nur mit negativen Dingen. Aber es gibt ihn – den positiven Stress.

 

Eustress (positiver Stress)

Wie wir eben durch unsere Reise in die Urzeit gelernt haben, ist ein grundsätzliches Stress- bzw. Erregungspotenzial für das Überleben wichtig.

Die Vorsilbe „Eu-„ ist griechisch und bedeutet so viel wie „gut, wohl, leicht, richtig“. Positiver Stress kann die Leistungsfähigkeit maximieren und die Aufmerksamkeit erhöhen und die Konzentration fördern. Eustress kann sogar Glücksgefühle auslösen. Wenn man eine bestimmte Aufgabe mit Freude und Motivation angeht, dann wird auch eventueller Zeitdruck nicht als Belastung empfunden, sondern motiviert noch mehr und steigert eventuell sogar das Glücksempfinden.

 

So ist es zum Beispiel im Job. Habe ich wenig zu tun und muss auf den Feierabend warten, fühle ich mich unterfordert, unzufrieden und gelangweilt – dies ist auch eine Form von Stress. Bekomme ich von meinem Chef ständig unverhältnismäßig viele Aufgaben, welche unmöglich alle erledigt werden können und die meine Fähigkeiten überschreiten, so löst das negativen Stress / Überforderung aus. Ist mein Arbeitsalltag aber optimal gefüllt mit eventuell sogar spannenden Aufgaben und ich merke gar nicht wie der Feierabend immer näher rückt, dann spricht man von positivem Stress.

Auch die Planung einer Hochzeit kann positiven Stress auslösen. Es ist viel zu tun, viel zu organisieren und 1000 Dinge zu bestellen. Aber man freut sich so auf dieses Ereignis, dass die vielen Arbeiten nicht als negativer, sondern positiver Stress empfunden werden.

Die positiven Stressoren sind natürlich ebenso individuell wie die negativen. Es hängt viel von der eigenen, inneren Einstellung ab, ob man diesen oder jenen Stress als positiv oder negativ wahrnimmt.

Denkt einfach an eine Achterbahnfahrt. Mir verpasst auch die wildeste Achterbahn Glücksgefühle – die angenehme Aufregung vorher, das Kribbeln im Bauch, die knisternde Anspannung am höchsten Punkt vor dem Start in die Tiefe. Meine Freundin haut eine Achterbahnfahrt wortwörtlich aus den Latschen und löst richtige Angstzustände aus. Sie bekommt schon Panik, wenn sie nur daran denkt.

 

Disstress (negativer Stress)

Die griechische Vorsilbe „dys“ bedeutet „schlecht“. Damit ist mit dem Begriff Disstress der negative Stress also perfekt benannt. Hier sind wir also wieder beim eigentlichen Thema: der negative Stress. Alle Reize, die als bedrohlich, beängstigend, unangenehm und sogar überfordernd wahrgenommen werden, bezeichnet man als negative Stressoren. Natürlich ist es nicht so, dass man gleich von negativem Stress redet, wenn man an einem einzigen Arbeitstag mit extrem vielen Aufgaben überschüttet wird, die man unmöglich bis zum Feierabend schaffen kann. Stress wird erst dann wirklich negativ, wenn er häufig auftritt und kein Ausgleich erfolgt oder erfolgen kann. Stress wird erst dann zu einem echten Problem, wenn er ein Dauerzustand ist.

 

Je nachdem wie viele Ressourcen wir haben, können wir besser oder schlechter mit jeder Art von Stress umgehen. Mit Ressourcen meine ich Dinge wie die eigene Einstellung zu Stressfaktoren, die innere Balance (bin ich ausgeglichen, dann kann ich natürlich auch besser mit Problemsituationen umgehen), aber auch das äußere Umfeld. Habt ihr Freunde und Familie, die euch unterstützen, auffangen? Mit dieser Ressource lassen sich viele Stresssituationen natürlich deutlich besser überstehen / meistern.

 

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